Regierung will Simulationen verbieten

rbecher 19. August 2009

Berlin/Schwalmtal – Nach dem Amoklauf vom gestrigen Dienstag ließen erste Stimmen aus regierungsnahen Kreisen verlauten, dass man über eine Verschärfung von Computerspielverboten nachdenken müsse. Insbesondere so genannte soziale Simulationen, in denen Umzüge, Lebensräume oder sogar soziale Interaktion simuliert werden, stellen nach Sicht der Kritiker eine reale Bedrohung dar.

“Seien Sie doch mal ehrlich, wissen Sie, was im Kopf eines Spielers von Rollenspielen vor sich geht? Stellen Sie sich doch mal vor, der spielt so ein Spiel, verliert und geht auf die Straße, um aus Frust ihre Mutter zu erschießen. So etwas können wir natürlich nicht dulden”, so ein hochrangiger CSU-Strohmann im bayerischen Innenministerium zu uns im Interview, der aber anonym bleiben möchte. Bunt malt er uns die Folgen aus, die laut seiner Oma Computerspiele im Gehirn ausslösen. “Irreparabel” nennt er die Folgen für die Gesellschaft. Die solle sowieso “lieber ehrlicher Arbeit nachgehen, damit es der Volkswirtschaft irgendwann auch wieder besser gehe”.
Als besonders gefährlich stuft man dabei Simulationen wie das bekannte SimTower, SimCity samt seiner Nachfolger und Die Sims ein. Aber auch “Ballerspiele mit sozialem Beigeschmack müssen noch einmal auf den Prüfstand.” Als Beispiel wurde insbesonde “World of Warcraft” zitiert. Experten der Unionsparteien wollen in diesem Rahmen auch Kinderspiele wie “Die Reise nach Jerusalem” untersucht wissen. Dass der Amokläufer solche Spiele gespielt habe, dessen ist sich insbesondere Jörg Ziercke sicher: “Das haben wir doch gestern abend erst auf dem Rechner des Täters installiert. Per Internet. Sollte inzwischen auch fertig sein. Eine unabhängige Expertengruppe wird das noch untersuchen, aber wir sind uns bereits sicher, zu welchem Ergebnis sie kommen werden”. Der BKA-Chef forciert seit längerem die Benutzung und Notwendigkeit des so genannten BKA-Trojaners, mit dem forensische Ergebnisse auf Computern von Staatsfeinden sichergestellt werden können.

Verteidiger der Computerspiele verweisen auf Studien und eine angebliche erstaunliche Renitentheit der Regierungskoalition, wenn es um neue Medien geht, aber auf Anfrage verweist das Bundesjustizministerium darauf, dass es schon immer wusste und immer besser als das Volk wisse, was das Volk will und man das auch fürderhin so halten wolle und werde. Unterstützung bekam das Ministerium von Herrn Wolfgang Schäuble, der hinzufügte, dass man alles tun werde, um die lokale, regionale und nationale Sicherheit zu wahren, auch wenn dadurch ein kaum vermisster Teil Freiheit verloren ginge. Im Bundesfamilienministerium würde geprüft, ob man einfach so zwei geschlechtsreife Menschen in einem Raum belassen dürfe, und gibt zu bedenken, dass Morde in bisher allen Fällen an mindestens einer Person ausgeführt wurden, also zwei dafür von Nöten waren.

Als verpönt gelten in diesem Zusammenhang seit der Festnahme des bekannten Terroristen Andrej Holm auch die Stichworte “Gentrifizierung” und “Prekarisierung“. Wer mit solchen Wörtern um sich schmeiße, so BKA-Chef Jörg Ziercke, müsse auch damit rechnen, die Aufmerksamkeit der Behörden auf sich zu ziehen. Vorwürfe zur Informationspolitik wies das gestandene SPD-Mitglied von sich. “Wir werden uns bei unseren Ermittlungen nicht einfach so von einer Verfassung aufhalten lassen. Die Kriminellen machen das ja auch nicht”, so Ziercke.

Bereits nach dem letzten großen Amoklauf in Winnenden konnte nur durch ein schnelles Verbot von Paintball Schlimmeres verhindert werden, aus Regierungskreisen ließ man verlauten, dass man unmöglich einer größtenteils aus jungen Menschen bestehenden Gruppe erlauben könne, Krieg zu spielen. Kriege stünden nur Staaten zu. Die zahlreichen deutschen Schützenvereine will man hingegen als Geheimressort für den Ernstfall Angriffskrieg heranziehen.

Bis eine solche Regelung gefunden ist, wird allerdings das Versammlungsgesetz doch bundesweit einheitlich nach dem bayerischen Vorbild ausgestaltet und tritt per Eilantrag in allen Bundesländern in Kraft. Das hat der Bundesrat heute morgen in einer Eilsitzung um 5:45 Uhr beschlossen. Das Bundesverfassungsgericht (BVerfG), das noch kürzlich das bayerische Versammlungsgesetz als verfassungswidrig bezeichnet hat, will man dabei nicht gänzlich umgehen: “Besondere Umstände erfordern besondere Maßnahmen. Das ist nun einmal so. Da muss man halt mal zurückstecken”, äußerten sich einhellig Vertreter der beteiligten Länderregierungen.

Neue Erkenntnisse deuten zudem darauf hin, dass auch Brot eine Gefährdung im Zusammenhang mit Amokläufen und Verbrechen im Allgemeinen darstelle.

Na wenn das die Merkel wüsste!

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7 Reaktionen zu “Regierung will Simulationen verbieten”

  1. [...] http://blog.ronald-becher.com/2009/08/regierung-will-simulationen-verbieten/ [...]

  2. Argelebam 19. August 2009 um 20:33 Uhr

    Ich fordere ein sofortiges Verbot von Immobilienbesitz. Wäre es im geschilderten Fall nicht um ein Haus gegangen, wäre niemand zu Schaden gekommen. Es kann doch nicht sein, dass jeder Hausbesitzer bei einer drohenden Zwangsversteigerung wild um sich schießt. Nur durch ein Verbot von Immobilienbesitz kann diesem Unwesen ein Ende bereitet werden.

    Wo sind sie denn, die Unions Innenminister? Hallo Innenminister, fordert endlich ein Verbot, von mir aus auch ein Verbot von Ehen, denn wäre keine Ehe im Spiel gewesen, hätte es auch keine Scheidung gegeben, und damit auch keinen Amoklauf.

    Immer noch keine Verbotsforderungen? Was ist nur los mit unseren Politikern, mit Verbotsforderungen kennen sie sich doch aus. Menno…!

    Ach was rege ich mich eigentlich auf, ich wähle die doch eh nicht….

  3. rbecheram 19. August 2009 um 20:36 Uhr

    @argeleb: Nicht zu vergessen Eltern. Die Statistik verrät uns “Jeder Kriminelle hat welche” ;)

  4. Berndam 19. August 2009 um 20:52 Uhr

    4/10
    Fing gut an, wurde dann aber recht wirr.

  5. Martinam 20. August 2009 um 10:46 Uhr

    “Seien Sie doch mal ehrlich, wissen Sie, was im Kopf eines Spielers von Rollenspielen vor sich geht? Stellen Sie sich doch mal vor, der spielt so ein Spiel, verliert und geht auf die Straße, um aus Frust ihre Mutter zu erschießen. So etwas können wir natürlich nicht dulden”

    Das stimmt ich bin schon als Kind immer wenn bei Super Mario “Game Over” war meinen Grundschulkameraden aus Frust so fest ich konnte auf den Kopf gesprungen.

  6. Christoph Wiegelam 20. August 2009 um 15:32 Uhr

    Die größten, schlimmsten, abscheulichsten und menschenverachtendsten Verbrechen wurden schon immer von denjenigen begangen, die am lautesten und hysterischsten schrieen, “wir müssen xyz schützen”.

    Wie jetzt, das waren alles “Politiker”?

    Upps

  7. [...] und einem Amoklauf/Familiendrama in Schwalmtal (Reaktionen aus der Politik siehe hier: “Regierung will Simulationen verbieten” (Vorsicht, Humor [...]

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